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Das Waldschmidtdenkmal auf dem Riedelstein
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"Der Plan für die Denkmalserrichtung geht zunächst aus
von dem Konservenfabrikanten Biller in Arnbruck und dessen Buchhalter, verdankt
also seine Entstehung mehr geschäftlichem Reklamebedürfnis als ideellen
Gesichtspunkten" schreibt der Viechtacher Bezirksamtmann Wißling am 19.
Juni 1907 an das Regierungspräsidium in Landshut.
Er hat damit sicher ein Motiv beschrieben, das die Arnbrucker zum Bau des
Denkmals auf dem 1132 m hohen Riedelstein, der höchsten Erhebung des
Kaitersberges, veranlassten. Alois Biller gehörte, wie viele andere
Honorationen dem Verschönerungsverein Arnbruck an. Ziel dieses Vereins war es,
den Fremdenverkehr zu fördern und weiter zu entwickeln. Ein weiterer Hinweis
auf wirtschaftliche Interessen ist die Verwendung des Riedelsteingipfels auf den
Etiketten der Waldfrüchte Konservenfabrik Arnbruck. Es gab freilich noch andere
Beweggründe. 1906 war Hofrat Schmidt auf Einladung von Alois Biller für einen
Tag, 1907 für mehrere Tage in Arnbruck. Beim zweiten Besuch überraschte ihn
abends ein Kreis von Verehrern mit der Mitteilung, "dass geplant sei, ihm
ein würdiges Denkmal für seine hohen Verdienste zu errichten". Der
Ausdruck hohe Verdienste meint wohl die Tatsache, dass der Schriftsteller auch
den Bayerischen Wald zum Schauplatz seiner Romane und Erzählungen gewählt, die
Waldheimat dadurch gleichsam auf eine höhere Ebene gehoben und
einem großen Publikum bekannt gemacht habe. Noch höher dürften seine
Verdienste um die Regionalförderung geschätzt worden sein.
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Maximilian Schmidt jedenfalls war von den Arnbrucker Plänen gerührt und sehr angetan. Er ist "den Arrangeuren auch mit Ratschlägen über die Durchführung zur Hand gegangen; es soll ein Bronzemedaillon von Überlebensgröße in den Felsen eingelassen werden. Die Fertigung des Entwurfs hat Professor Hauberrisser in München zugesichert und zwar als Freund des zu Ehrenden unentgeltlich". Der Guß des Bronzemedaillons erfolgte in der Gießerei Rupp, München.
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Die für den 17. August 1907 vorgesehene Enthüllung des Denkmals verzögerte
sich, denn die Regierung von Niederbayern erteilte die Baugenehmigung nicht
rechtzeitig, sondern lehnte am 25. Oktober 1907 die Errichtung des Denkmals mit
der Begründung "der nicht genügenden Tragfähigkeit des für das Denkmal
in Aussicht genommenen Platzes und der Gefährlichkeit der Aufstellung eines
geeigneten Baugerüstes und der Beischaffung der Baumaterialien" ab. Der
Denkmalausschuss gab jedoch nicht auf, verfolgte den Bau weiter und sammelte
Spenden. Doch auch dies verlief nicht nach Wunsch. Die Idee, ein Denkmal zu
errichten, fand zwar viel Sympathie, die notwendigen Mittel kamen aber nur
langsam und vielfach in kleinen Beträgen zusammen. Bei der Instandsetzung des
Waldschmidtdenkmals im Jahre 1974 wurde eine Kupferdose mit einer Schriftrolle
gefunden. Darauf sind die Spender größerer Beträge verzeichnet. Unter ihnen
befinden sich der Magistrat von Taus in Böhmen, die Bayerwaldvereine von Köln
und Berlin und die Waldvereinssektionen von Zwiesel, Bodenmais, Viechtach,
Kötzting, Freyung, Furth im Wald, Schwandorf, Straubing, Neukirchen Hl. Blut,
Eisenstein in Böhmen, Grafenau, Falkenstein, Passau, und Cham, sowie der Verein
Bayerwald Straubing. Die zahlreichen kleineren Spenden von fünf Mark aufwärts
zeigen, dass auch die Bevölkerung hinter dem Bau stand.
1908 hatten die Bemühungen um die Baugenehmigung Erfolg. "Die in
technischer Hinsicht geäußerten Bedenken lassen sich beheben, falls die
Arbeiten unter Leitung eines tüchtigen Meisters von geschulten Leuten
ausgeführt werden", steht nun im Genehmigungsbescheid. Im Juni 1909 wurde
mit den Vorbereitungen zum Bau begonnen. Der notwendige Zement, 100 Zentner
sollen es gewesen sein, wurde vom Bahnhof Arrach zum Riedelstein gebracht.
Pferde und Fuhrwerk stellte der Gutsbesitzer und Gastwirt in Eschlsaign. Da der
Weg schlecht und steil war, konnten die Pferde nur eine Fuhre von zehn Zentner
zum Eck ziehen. Dort wurde die Hälfte abgeladen, denn zum Gipfel schafften sie
nur fünf Zentner. So verging eine gute Woche für den Zementtransport.
Unterhalb des Riedelsteins fanden die Bauleute brauchbaren Sand und in der
Sandgrube sammelte sich glücklicherweise die zum Mörtelmachen notwendige Menge
Wasser. Nachdem auf dem Gipfel eine Plattform für das Denkmal herausgesprengt,
das Gerüstmaterial und alles sonst noch nötige auf den Gipfel geschafft worden
war konnte der Bau beginnen. Im Juli 1909 wurde der Grundstein gelegt. Die
Arbeiten begannen morgens um sechs Uhr und endeten abends um sechs Uhr. Zieht
man die Pausen ab, wurde effektiv 10 Stunden gearbeitet. Für den Fußmarsch von
Arnbruck zum Riedelstein braucht man zwei Stunden. Die Arbeiter marschierten
also täglich um vier Uhr früh von Arnbruck ab und kehrten gegen halb acht Uhr
abends wieder zurück. Brotzeit und Mittagessen nahmen sie selbstverständlich
von zu Hause mit. Die Entlohnung für diesen Arbeitstag und die sicherlich nicht
ungefährliche Arbeit betrug 3,20 Mark für den Maurer und 2,50 Mark für den
Handlanger. Nach drei Wochen war der neun Meter hohe, massive, von einer
Granitkugel gekrönte Steinturm fertig.
Am 22. August 1909 wurde das Denkmal eingeweiht. Leider konnte der Dichter wegen
einer Erkältung an der Enthüllung seines Denkmals nicht
teilnehmen. Er ließ sich von seiner Schwester Amanda und seinem Sohn vertreten.
Die Einweihung war ein großes Bergfest.
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Die Mitglieder der Sektion halten das Denkmal instand. Die erste Renovierung war bereits 1921 notwendig. Ein Blitz hatte in die Denkmalsspitze eingeschlagen. Während der Instandsetzungsarbeiten schlug wieder ein Blitz ein und richtete größere Schäden an. Davon kündigt eine auf der Rückseite des Denkmals angebrachte Steintafel, deren Text in den fünfziger Jahren noch zu entziffern war. Erinnerungstafel Während des zweiten Weltkrieges wurde das Bronzerelief aus dem Denkmal gebrochen und entwendet. Glücklicherweise wurde es bei einem Altmetallhändler entdeckt und zurückgebracht. Waldvereinsmitglieder setzten es wieder in die Denkmalsnische ein und sicherten es mit einem Metallgitter. Die zweite umfangreiche und gründliche Instandsetzung erfolgte 1974.
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Das Denkmal auf dem Riedelstein ist jetzt 92 Jahre alt. Was aus geschäftlichem Reklamebedürfnis entstanden sein soll, ist längst zum Wahrzeichen Arnbrucks geworden. Wir betrachten das Waldschmidtdenkmal als Vermächtnis der Sektionsgründer und fühlen uns stets verpflichtet es instand zuhalten.